Dienstag, 17. August 2010

Teilabriss Gmindersdorf?

Soll es in Zukunft so aussehen? Also damit kann ich mich auch nicht anfreunden. Für mehr Informationen wurde eigens ein neuer Blog eingerichtet:

Teilabriss Arbeitersiedlung Gmindersdorf

Bitte bei Interesse anklicken

Aufruf

Mit Betroffenheit nehmen wir die Nachricht zur Kenntnis, dass die Stadt Reutlingen (basierend auf dem Gemeinderatsbeschluss vom 22.4.) beabsichtigt, der Planung der Bosch Wohnungsgesellschaft mbH zuzustimmen, die den Abriss von Teilen der bekannten Reutlinger Arbeiterkolonie Gmindersdorf vorsieht. Der Abriss soll sich auf ein Gebäudeensemble des Stuttgarter Architekten Helmut Erdle beziehen, der dieses von 1950 bis 1952 im Auftrag der Firma Gminder erbaute (drei Gebäudekomplexe in der Moser- und Wilhelm-Kuhn-Straße).

Der Kern der Arbeiterkolonie Gmindersdorf wurde ab 1903 von Theodor Fischer, jenem herausragenden Protagonisten eines reformierten Städtebaus und Initiator der Stuttgarter Schule, als sein erstes großes Siedlungsprojekt entworfen. Heinz Wetzel, der mit Paul Bonatz und Paul Schmitthenner die TH Stuttgart in den 1920ern zu einer der bedeutendsten reformierten Architekturschulen in Deutschland entwickelte, war als Mitarbeiter Fischers ab 1906 an der Projektierung von Gmindersdorf beteiligt. Sein Hauptassistent Erdle wiederum, der unter anderem auch die Stuttgarter Killesbergsiedlung erbaut hat, fügte Gmindersdorf nach dem zweiten Weltkrieg jene Siedlungserweiterung ganz im Geiste von Fischer und Wetzel hinzu. Damit steht die Siedlung als Gesamtes für jene herausragende städtebauliche und architektonische Schule, die hier im Werk über drei Generationen gelesen werden kann. Mit dem Abriss und der geplanten baulichen Neubau-Zäsur zwischen den Fischer-Bauten und den Erweiterungsbauten aus den 1950er und 60er Jahren würde Gmindersdorf einschneidend und unwiederbringlich verändert und es steht zu befürchten, dass es als Gesamtzeugnis erheblichen Schaden erleidet.


Das Werk von Helmut Erdle selbst wurde bislang noch in keiner Monographie gewürdigt. Jedoch betonen jüngste Forschungen und wissenschaftliche Initiativen an verschiedenen Universitäten die Kohärenz jener städtebaulichen Strömung und belegen den erheblichen Einfluss Wetzels und seiner Schüler und Mitarbeiter auf den künstlerischen Städtebau Europas bis in die 1960er Jahre. Zu nennen sind u. a. das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt zu Heinz Wetzel und seinen Schülern - u. a. Helmut Erdle - an der HafenCity Universität in Hamburg von 2007 bis 2010 (Prof. Frank, Dr. Ing. Elke Sohn), die Vortragsreihe zur Stuttgarter Schule an der Universität Stuttgart in 2010 (Prof. Philipp) und der Forschungsschwerpunkt „Neue Tradition“ an der TU Dresden (Prof. Lippert, Dr. Krauskopf, Dipl. Ing. Zaschke), der seit 2006 regelmäßig auf internationalen Tagungen die neuesten Forschungen zur traditionalistischen Moderne und Stuttgarter Schule bündelt.


Vor diesem Hintergrund rufen wir die Verantwortlichen auf – die Wohnungsgesellschaft Bosch, die Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, die 1. Bürgermeisterin Ulrike Hotz, den Gemeinderat der Stadt Reutlingen und Dr. Kolb vom Denkmalamt Tübingen – den geplanten Abriss noch einmal zu überdenken und die Erdle-Bauten nicht zuletzt auf der Basis jener jüngsten Forschungen einer Neubewertung zuzuführen.

Dipl. Grafikerin Karin Schliehe und Dipl. Grafiker Bernhard Mark, Illustratorenwerkstadt Reutlingen-Gmindersdorf
Dr. Ing. Elke Sohn, Architekturhistorikerin und -theoretikerin, Saarbrücken
Dr. Kai Krauskopf, Dipl.Ing. Andreas Schwarting, Institut für Baugeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege, Technische Universität Dresden
Dipl. Ing. Katrin Peter-Boesenberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Analyse gebauter Umwelt, Department Architektur Hafen City Universität Hamburg
Dipl.Ing FH Maria Markert, München
Vera und Fritz Vogel Reutlingen Gmindersdorf
Anna und Walter Haage Reutlingen, Gmindersdorf

Kommentare:

  1. Freut uns, dass Sie den Aufruf mit auf Ihre Seite genommen haben!

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  2. Wer heute Abend zur Demo Stuttgart 21 geht soll Gummistiefel mitnehmen, die Wiese am Bahnhof soll ein einziges Schlammloch sein!

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  3. die gegner des teilabrisses sollten hier mal auf dem teppich bleiben.
    das betroffene gebiet gehört doch gar nicht zum gmindersdorf. ich kenne das dörfle noch ohne das bebaute areal. die gegner vermutlich eher nicht. sehr befremdet hat mich das bild der gegner, auf dem kinder abgebildet waren. bitte veröffentlichen sie eine namensliste der gegner in der öffentlichen presse. aber biite nur mit bewohnern des dörfles. mein vater hat sich in der vergangenheit sehr für das gmindersdorf eigesetzt.
    gerhard schimpf

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